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Klassische Homöopathie – eine Kampfansage an den Verstand

Mit Verwunderung nehme ich immer wieder die Anfeindungen zur Kenntnis, denen die Homöopathie ausgesetzt ist. Ich bin nicht verwundert, dass Menschen die Homöopathie für Unsinn halten. Aber mich wundert, dass sie so viel Energie investieren, um sie zu diffamieren, diskreditieren, verbieten zu wollen etc. Im schlimmsten Fall ist die Homöopathie unwirksam, was von vielen schulmedizinischen Therapien nicht behauptet werden kann. Klar kommt als Argument dann immer: „Kranke würden durch ein homöopathisches Angebot davon abgehalten, eine sinnvolle Therapie zu wählen. Krankheitszustände könnten sich dadurch verschlechtern oder chronifizieren.“ Ja, diese Gefahr besteht bei einem geringen Teil der Patienten, die einen Homöopathen aufsuchen. Der allermeisten Patienten sind aber den anderen Weg gegangen und kommen zum Homöopathen, nachdem sie in der Schulmedizin teils jahrelang vergeblich Hilfe gesucht haben.

Die Gegner der Homöopathie werfen dieser im Grunde Betrug vor. Dies macht einen Teil der Emotionen aus, mit denen der Homöopathie begegnet wird. Die Homöopathen und die Hersteller homöopathischer Mittel ziehen den Patienten Geld für wertlose, wirkungslose Zuckerkügelchen aus der Tasche. Manchmal wird dann sogar berechnet, welche Wucherpreise für 1kg Milchzucker berechnet wird. Ja, wenn man das liest, dann kann man eine gewisse Wut verstehen, die selbstverständlich ausblendet, dass Menschen ganz bewusst Milchzucker zu diesen Preisen kaufen und dass das Marken T-Shirt für 100 Euro in der Herstellung auch nur 1 Euro kostet. Mittlerweile dürfte auch jeden Menschen die Information der Wirkungslosigkeit der Homöopathie erreicht haben, so dass man kaum noch davon ausgehen kann, dass die homöopathischen Patienten nicht wüssten, was sie tun. Es soll sogar Menschen geben, die kaufen für viel Geld Zigaretten, obwohl klar ist, dass diese die Gesundheit angreifen, süchtig machen und nur dazu dienen, einige Unternehmer reich zu machen. Freien Willen würde ich das nennen. Jeder soll so viel Geld für Milchzucker bezahlen, wie er will. Eigentlich kein wirklicher Grund, sich so aufzuregen und so viel Energie gegen die Homöopathie aufzubringen.

Ach und dann kommt noch das viele Geld, das die Homöopathie die Krankenkassen kostet. Von 600 Millionen Euro jährlich ist da die Rede. Das ist wirklich eine beeindruckende Zahl und dürfte fast den Werbeetat der Krankenkassen erreichen. Ähnlich viel kostet auch das Mammographiescreening. Metastudien konnten bereits vor Jahren zeigen, dass dieses Screening den Menschen keine Lebenszeit schenkt. Klar einigen schon, dafür klaut es anderen Lebenszeit, so dass in der Summe und unterm Strich nicht mehr Gesundheit dabei rum kommt. Dieses Nullsummenspiel darf aber 600 Millionen Euro kosten. Die Urologen waren vor Jahren gar nicht damit einverstanden, den PSA Test aus der Kostenerstattung zu nehmen, obwohl durch diesen Test nachweislich Lebenszeit zerstört wurde. Die ca. 80 Prozent der schulmedizinischen Therapien für die kein evidenter Nutzenvorteil nachgewiesen ist, dürften ein vielfaches an Geld verbrauchen wie die Homöopathie. Aufregung ist da keine, es gibt auch keine wöchentlichen Fernsehbeiträge dazu und zahllose Zeitungsartikel. Selbst dem Umstand, dass in Deutschland jährlich 30000 Menschen in Krankenhäusern an Krankenhauskeimen sterben, die sie sich erst im Krankenhaus zugezogen haben, kommt an die mediale Aufmerksamkeit der Homöopathie nicht heran.

Zusammenfassend ist keiner der bisher aufgezeigten Gründe – Wirkungslosigkeit, Betrug oder Verschwendung von Krankenkassengeldern – hinreichend dazu geeignet, den Kampf gegen die Homöopathie zu erklären. Es gäbe einfach viel ertragreichere Felder, die da beackert werden könnten.

Aber da ist der Hund begraben. Der Hass auf die Homöopathie ist – Hass. So sehr die Gegner der Homöopathie Vernunftsgründe gegen die Homöopathie vorbringen, so wenig ist die Vernunft der Grund für ihr Handeln. Hass ist eine Emotion und keine Verstandeskategorie. Nur eine solch tiefe Emotion bringt die Gegner der Homöopathie dazu, so viel Energie für den Kampf aufzubringen. Diese Aversion, dieser Hass hat nichts mit der Homöopathie zu tun. Diese hat den Leuten nichts angetan, hat sie nicht getreten, angegriffen oder beleidigt. Die Gegner handeln aber so, als hätte die Homöopathie sie angegriffen und beleidigt. Im homöopathischen Repertorium findet man dieses Symptom unter Wahnideen oder Delusionen. Aber mögen auch die Motive der Homöopathiegegner irrationaler Natur sein, ihre Argumente können dennoch stimmen. Darum geht es mir hier nicht – obwohl eine stark ausgeprägte Abneigung den Blick schon trüben kann.

Aber noch einmal zurück zu den Emotionen und etwaigen Wahnideen. Ich habe dazu eine These:

Starke Emotionen wie Hass treten m.E. auf, wenn eine Bedohung für Leib und Leben einer Person wahrgenommen wird. Wobei Hass meistens nicht als Folge eines tätlichen Angriffs erfolgt oder eines tatsächlichen materiellen Entzugs von Lebensgrundlagen. Hass entsteht am häufigsten aufgrund seelischer Verletzungen, die die Grundfeste der seelischen Stabilität erschüttern. Etwas worauf man vertraut, erweist sich als Illusion. Das Bild der Welt, das Koordinatensystem verschiebt oder verzerrt sich und bietet nicht mehr die gewohnte sichere Orientierung. Diese Unsicherheit betrifft mehr als den direkten Bereich, um den es konkret geht. Die Instanz, die für diese Verschiebung die vermeintliche Verantwortung trägt, wird zum Ziel des Hasses.

Ein wichtiger Pfeiler für Sicherheit und Stabilität ist für viele Menschen die Idee, dass die Welt im Grunde allein durch Materie aufgebaut und beeinflusst wird. Arzneimittel wirken demnach durch physikalische und chemische Prozesse auf einen Körper, in dem ebenfalls ausschließlich chemische und physikalische Prozesse wirksam sind. Ist ein Milchzucker chemisch und physikalisch nicht von einem anderen Milchzucker unterscheidbar, dann muss demnach die Wirkung auf den Organismus diesselbe sein. Dieser Materialismus begrenzt die Welt auf materiell messbare Phänomene und schafft daduch eine Illusion der Berechenbarkeit, Beherrschbarkeit und Sicherheit. Der Verstand und die Logik operieren mit einer begrenzten Menge an Daten und berechnen daraus die Welt. Nur eine materielle Weltsicht verspricht Ausssicht auf Kontrolle. In dieser verengten Sicht ist die Homöopathie eine Beleidigung für den Verstand.

Die Gegner der Homöopathie sind bereits durch die Proklamierung einer nicht materiellen Wirkung homöopathischer Arzneien zutiefst verunsichert. Diese Idee zuzulassen, würde die Sicherheit eines materiellen Weltbildes in Frage stellen. Dieser mögliche Verlust des sicheren Bodens der Materie führt zur Leugnung und Vernichtungsabsicht. Die Existenz der Homöopathie bedroht das Sicherheitsempfinden von Materialisten, die einen bedeutenden Teil ihres Weltverständnisses auf dem Materialismus aufgebaut haben. Das führt zu Angst, Wut und Hass. Hinzu kommt, dass soziale Wesen darauf angewiesen sind, dass ihre Umgebung diese Welt so sieht wie sie. Auch das stärkt die Sicherheit. Menschen, die andere Glaubenssysteme, andere Weltvorstellungen haben bedrohen diese Sicherheit. Das Interesse der Homöopathiegegner ist es, dass sowohl die Homöopathie als alternative Weltsicht sowie die Menschen, die eine solche Weltsicht teilen verschwinden. Dann kehrt endlich wieder Ruhe ein. In diesem Wunsch nach Sicherheit unterscheiden sie sich allerdings nicht von religiösen Fundamentalisten oder Fremdenhassern.